Griechischer Bergtee und die Vielfalt der Sideritis Arten
Auf Märkten in Griechenland ist griechischer Bergtee leicht zu erkennen. Die getrockneten Pflanzen liegen in langen, lockeren Bündeln auf den Ständen: helle Stängel, graugrüne Blätter und kleine Blüten. Einige Zweige kommen in die Kanne oder direkt in den Topf. Auf Griechisch heißt der Aufguss „Tsai tou vounou“ - Tee des Berges.
Inhalt
Lesezeit: 7-8 Minuten
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
- Bergtee bezeichnet verschiedene Sideritis-Arten mit eigenen Herkunftsregionen und regionalen Namen.
- Griechenland gehört zu den wichtigsten Verbreitungsgebieten, die Bergtee-Tradition reicht jedoch über den gesamten Balkan.
- Art, Herkunft und Verarbeitung prägen den Charakter des Tees.
- Ganze Rispen sind typisch: Blüten, Blätter und dünnere Stängel werden gemeinsam verwendet.
Die wichtigsten Arten von Bergtee
Seinen Namen trägt er nicht zufällig. Die Pflanzen der Gattung Sideritis wachsen vor allem in sonnigen Gebirgslagen, auf steinigen Böden und an Hängen, die im Sommer über Wochen kaum Regen sehen. Viele Arten fallen durch ihre silbrig behaarten Blätter und Stängel auf - eine Anpassung an intensive Sonne und Trockenheit. Als griechischer Kräutertee werden die getrockneten blühenden Triebe vollständig verwendet; gelegentlich findet sich dafür auch die Bezeichnung griechischer Bergblütentee.
Hinter dem vertrauten Namen steckt jedoch mehr, als auf den ersten Blick sichtbar ist. Je nach Region unterscheiden sich die verwendeten Sideritis-Arten, und die Tradition des Bergtees reicht weit über Griechenland hinaus. Welche Pflanzen dabei eine Rolle spielen, warum Kreta seinen Bergtee Malotira nennt und was die Gebirgsländer des Balkans miteinander verbindet, zeigt der Blick auf die wichtigsten Arten.
Mehr als 150 Sideritis-Arten sind bekannt, ein großer Teil davon wächst im Mittelmeerraum. Griechenland gehört zu den Zentren dieser botanischen Vielfalt. Unter den griechischen Bergkräutern ist Sideritis besonders artenreich vertreten. Allein hier kommen zahlreiche Sideritis-Arten und Unterarten vor, darunter mehrere Endemiten, die nur in begrenzten Regionen des Landes wachsen.
Für die Teekultur sind vor allem vier Arten interessant: Sideritis scardica im Norden Griechenlands und im zentralen Balkan, Sideritis raeseri im westlichen Balkan, Sideritis clandestina auf der Peloponnes und Sideritis syriaca auf Kreta.
Sideritis scardica vom Olymp bis zum Pirin-Gebirge
Verbreitet: Nordgriechenland, Nordmazedonien und Bulgarien
Sideritis scardica verbindet mehrere Bergregionen des südlichen Balkans. Die Art wächst im Norden Griechenlands ebenso wie in Nordmazedonien und Bulgarien. Aus diesem Grund kann derselbe Sideritis Tee je nach Herkunft als griechischer, mazedonischer oder bulgarischer Bergtee bezeichnet werden.
In Bulgarien ist die Pflanze als Mursalski chai bekannt. Besonders berühmt wurde der Bergtee aus der Region um Trigrad und das Rhodopengebirge. In Griechenland wird Sideritis scardica unter anderem mit dem Olymp und den Gebirgen Makedoniens verbunden.
Bergtee wurde traditionell in den Bergen gesammelt. Heute werden Arten wie Sideritis scardica und Sideritis raeseri auch gezielt angebaut. Der Anbau ermöglicht größere und planbare Ernten und kann dazu beitragen, stark genutzte Wildbestände zu entlasten.
Sideritis raeseri, der traditionelle Bergtee
Verbreitet in: Griechenland, Albanien und Teilen des westlichen Balkans
In vielen Dörfern ist Sideritis raeseri der klassische Alltags-Bergtee. Er wird morgens, nach dem Essen oder am Abend getrunken – unkompliziert und ohne besonderen Anlass. Rund um den Parnass in Mittelgriechenland ist er auch als „Tsai Parnassou“, Tee vom Parnass, bekannt. In Albanien begegnet Bergtee unter der Bezeichnung „Çaj Mali“.
Sideritis raeseri bildet schlanke Rispen mit dicht besetzten gelben Blüten. Im Vergleich zur kräftiger und stärker wollig behaart wirkenden Sideritis scardica erscheinen die Pflanzen und getrockneten Rispen meist feiner.
Geschmacklich wird Raeseri häufig als milder und zurückhaltender als Sideritis scardica beschrieben. Wie deutlich dieser Unterschied ausfällt, hängt auch von Herkunft und Verarbeitung ab. Gerade in Albanien zeigen Bergtees aus unterschiedlichen Gebirgslagen, wie stark sich Standortbedingungen auf den Charakter des Aufgusses auswirken können
Sideritis clandestina aus den Hochlagen der Peloponnes
Verbreitet in: den Gebirgen der Peloponnes
Sideritis clandestina gehört zu den seltensten Bergtee-Arten Griechenlands. Ihre natürliche Verbreitung ist auf die Gebirge der Peloponnes beschränkt. Außerhalb dieser Region kommt sie nicht wild vor. Für viele Einheimische ist sie der Bergtee ihrer Heimat.
Sideritis clandestina wächst auf nackten Kalkhängen, in Felsspalten und auf offenen Lichtungen zwischen Kefallinia-Tannen in Höhen zwischen 1.300 und 2.100 Metern. Viel Erde braucht sie nicht: Selbst dort, wo sich zwischen dem hellen Gestein nur wenig Boden sammelt, findet die Pflanze einen Platz.
Auch ihr Aussehen passt zu dieser rauen Umgebung. Sideritis clandestina ist dicht gelblich bis grau wollig behaart, wächst eher gedrungen und entwickelt kräftige, vierkantige Stängel sowie eine mit zunehmendem Alter fast holzige Basis. Neben den oft buschiger wirkenden Formen von Sideritis scardica fällt sie deutlich kompakter und robuster aus.
Malotira, Kretas eigener Bergtee
Heimisch auf Kreta
Kreta besitzt eine eigene Bergtee-Tradition. Sideritis syriaca wird dort Malotira genannt und ist vor allem mit den Gebirgsregionen der Insel verbunden.
Besonders bekannt sind die Vorkommen in den Lefka Ori, den Weißen Bergen Westkretas. Die Landschaft ist geprägt von Kalkstein, trockenen Sommern und großen Höhenunterschieden.
Malotira wurde traditionell in den Bergen gesammelt und für den eigenen Haushalt getrocknet. Heute wird die Pflanze auch kultiviert. Das ist wichtig, weil eine zu intensive Wildsammlung natürliche Bestände gefährden kann.
Der Kretische Bergtee zeigt besonders deutlich, wie eng Sideritis mit regionaler Alltagskultur verbunden ist. Auf der Insel hat die Pflanze nicht nur einen eigenen Namen, sondern gehört seit Generationen zum Vorrat vieler Haushalte.
Anbau und Ernte von Griechischem Bergtee
Griechischer Bergtee lässt sich nicht beliebig auf fruchtbare Felder verlagern. Sideritis ist an Sonne, Trockenheit und durchlässige Böden angepasst. In Griechenland liegen Anbauflächen deshalb häufig in höheren Lagen, auf steinigen oder kalkreichen Böden und an Standorten, an denen Wasser schnell abfließen kann.
Die Pflanzen werden mehrjährig kultiviert. Im ersten Jahr entwickeln sie vor allem Wurzeln und Blattrosetten; nennenswerte Ernten folgen später. Zu viel Wasser und eine intensive Düngung passen schlecht zu ihrem natürlichen Wachstumsrhythmus. Besonders empfindlich reagiert Sideritis auf Staunässe.
Anbau beginnt meist mit der Anzucht aus Samen. Die Jungpflanzen werden später ins Freiland gesetzt; auch die Vermehrung über Stecklinge ist möglich.
Die Erntezeit von Griechischem Bergtee beginnt mit der Blüte und verschiebt sich je nach Art, Höhenlage und Witterung im Sommer. Geschnitten werden die blühenden Triebe mit Blättern und Stängeln, während ein Teil der Pflanze stehen bleibt und erneut austreibt.
Griechischen Bergtee richtig zubereiten
Für Griechischen Bergtee werden Blüten, Blätter und dünnere Stängel gemeinsam verwendet. Bei ganzen Rispen lassen sich die benötigten Stücke einfach mit der Hand abbrechen. Als Dosierung sind für eine Tasse mit 250 Millilitern Wasser etwa 2 bis 3 Gramm Bergtee ein guter Ausgangspunkt.
Bergtee aufgießen oder kochen?
Beim Aufgießen werden die Rispen mit kochendem Wasser übergossen und fünf bis zehn Minuten ziehen gelassen. Kräftiger wird der Tee, wenn die Rispen direkt ins Wasser kommen, kurz aufkochen und anschließend ein bis drei Minuten bei niedriger Hitze köcheln.
In Griechenland ist die Zubereitung im Topf verbreitet, besonders wenn Bergtee für mehrere Personen gekocht wird. Getrunken wird er pur, mit etwas Honig oder einem Spritzer Zitrone.
Bergtee kalt trinken
Für kalten Bergtee einen kräftigeren Aufguss zubereiten, abkühlen lassen und in den Kühlschrank stellen. Alternativ können die Rispen mehrere Stunden oder über Nacht in kaltem Wasser ziehen. Diese Methode ergibt einen milderen Aufguss.
Fazit
Am Anfang steht ein Bündel getrockneter Pflanzen, wie es auf griechischen Märkten seit Langem verkauft wird. Erst der genauere Blick zeigt, wie viel darin zusammenkommt: verschiedene Sideritis-Arten, weit voneinander entfernte Gebirge und Menschen, die ihren Bergtee bis heute auf eigene Weise kennen und schätzen.
Griechischer Bergtee braucht keine große Inszenierung. Seine Vielfalt, seine Herkunft und die Geschichten der Regionen sind interessant genug.