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Wie viel Koffein steckt in Tee?

Wie viel Koffein hat Tee? Unterschiede zwischen Teesorten einfach erklärt

Tee oder Kaffee - was macht wacher? Die Koffeinfrage ist für viele Teetrinker*innen zentral. Doch anders als beim Kaffee variiert der Koffeingehalt im Tee stark - je nach Sorte, Pflanzenteil, Verarbeitung und Zubereitung.

In diesem Beitrag erfährst du:

  • Wie viel Koffein in den wichtigsten Teesorten steckt
  • Welche Rolle die Teepflanze selbst spielt
  • Und wie du den Koffeingehalt beim Aufbrühen gezielt beeinflussen kannst

Wissenschaftlich fundiert. Praktisch erklärt.


Koffein im Tee – alles beginnt mit der Teepflanze

Das Koffein im Tee stammt, wie beim Kaffee, direkt aus der Pflanze. Tee wird aus den Blättern der "Camellia sinensis" gewonnen, einer immergrünen Pflanze, die natürlicherweise Koffein bildet, um sich vor Schädlingen zu schützen und das Wachstum konkurrierender Pflanzen zu hemmen.

  • Koffein ist ein natürlicher Pflanzenschutzstoff (Alkaloid)
  • Es wirkt insektizid und schützt die jungen Triebe
  • Koffein ist in Blattknospen (Tips) deutlich höher konzentriert als in älteren Blättern
  • Auch Standort, Höhenlage, Sonneneinstrahlung und Erntezeitpunkt beeinflussen den Koffeingehalt erheblich
  • Je frischer, jünger und zarter das Teeblatt, desto höher ist sein natürlicher Koffeingehalt.
Teepflanze

Was passiert mit dem Koffein während der Teeherstellung?

Die verschiedenen Teesorten - Weißtee, Grüntee, Oolong, Schwarztee, Pu-Erh - stammen alle von der gleichen Pflanze, unterscheiden sich aber stark im Koffeingehalt. Das liegt an zwei Faktoren:

  1. Blattauswahl bei der Ernte: Weißtee nutzt meist nur Knospen und die ersten Blätter, die besonders koffeinreich sind. Grüner und Schwarzer Tee enthalten mehr reife Blätter, oft mit etwas weniger Koffein
  2. Verarbeitung nach der Ernte (Oxidation, Fermentation): Koffein bleibt beim gesamten Herstellungsprozess chemisch stabil, wird also nicht abgebaut. Unterschiedliche Verarbeitungen (z. B. Rollen, Dämpfen, Fermentieren) beeinflussen Aromastoffe, aber nicht direkt den Koffeingehalt. Allerdings wird durch das Aufbrechen der Zellstrukturen beim Rollen oder Zerkleinern (v. a. bei Schwarztee) das Koffein leichter löslich beim Aufbrühen.

Ergebnis: Es ist weniger die Verarbeitung, sondern welcher Teil des Blattes verwendet wird, der den Koffeingehalt bestimmt.

Teeherstellung
Tee per Hand herstellen

Teesorten im Vergleich

Teesorte

Pflanzenteil

Verarbeitung

Typischer Koffein pro Tasse (250ml)

Weißtee

 Knospen + erste Blätter

 Unfermentiert, minimal getrocknet

 15–30mg (bis 60mg möglich)

Grüner Tee (China)

 Erste bis dritte Blätter

 Pfannenerhitzt,  unfermentiert

 20–35mg

Sencha (Japan)

 Erste bis zweite Blätter

 Gedämpft, unfermentiert

 30–50mg

Gyokuro (Japan)

 Schattengewachsene junge Blätter

 Gedämpft, besonders zart verarbeitet

 40–70mg

Oolong

 Mittlere bis reifere Blätter

 Teiloxidiert, gerollt

 30–55mg

Schwarztee

 Reife Blätter/Triebe

 Voll oxidiert, gerollt

 40–70mg

Pu-Erh (Shou)

 Ältere Blätter

 Fermentiert & gereift

 20–40mg

Pu-Erh (Sheng, jung)

 Junge bis mittlere Blätter

 leicht fermentiert, nicht gereift

 40–70mg (abhängig von Alter)

Matcha

 Pulver aus ganzen Blättern

 Unfermentiert, getrocknet & gemahlen

 60–90mg (je nach Portion 12g)


Koffeingehalt im Grünen Tee

  • Chinesischer Grüntee (z. B. Longjing, Biluochun): Wird meist pfannenerhitzt (Röstung) – das deaktiviert Enzyme, reduziert Bitterstoffe und ergibt mildere Tassen mit moderatem Koffeingehalt.
  • Sencha: Der klassische japanische Alltagstee – wird direkt nach der Ernte gedämpft, wodurch mehr L-Theanin und Koffein erhalten bleiben. Bei kurzen Ziehzeiten ist er mild, bei längeren sehr anregend.
  • Gyokuro: Wächst bis zu 3 Wochen im Schatten, was die Bildung von mehr Koffein & L-Theanin fördert. Dadurch ergibt sich ein stärkerer, aber ruhiger anregender Effekt. Besonders geeignet für fokussierte Tätigkeiten.


Besonderheit beim Matcha Tee

Matcha enthält deutlich mehr Koffein als andere Teesorten, da das gesamte Blatt mitgetrunken wird - kein Aufguss, sondern Pulver in Suspension.

Eine Portion Matcha (1–2 g) liefert 60–90 mg Koffein, oft auf Augenhöhe mit Espresso, aber mit L-Theanin, das die Wirkung sanfter und anhaltender macht.

Warum schwankt der Koffeingehalt bei Tee so stark?
Die Koffeinmenge im Tee hängt nicht nur von der Teesorte ab – sondern auch von:

  • Blattalter (Knospe vs. reifes Blatt)
  • Anbauhöhe und Pflückzeit
  • Zubereitung (Ziehzeit, Temperatur, Wassermenge)
  • Verarbeitung nach der Ernte

Tee ist also kein standardisiertes Industrieprodukt wie eine Espressokapsel, sondern ein Naturprodukt mit lebendiger Komplexität.

L-Theanin: Warum Tee anders wirkt als Kaffee
Tee macht wach – aber nicht nervös. Dieser Effekt wird oft mit der "klaren Wachheit ohne Unruhe" beschrieben, die viele Teetrinker an grünem Tee, Matcha oder Oolong so schätzen. Der Grund ist die im Tee enthaltene Aminosäure L-Theanin.


Was ist L-Theanin?

L-Theanin ist eine nicht-proteinogene Aminosäure, die ausschließlich in der Teepflanze (Camellia sinensis) sowie in sehr geringen Mengen in wenigen Pilzen vorkommt. Sie macht etwa 1–2 % der Trockenmasse von Grüntee aus. Besonders hoch ist der Gehalt in:

  • Gyokuro und Matcha (bis zu 6–7 mg/g)
  • Beschattete Senchas
  • Tees aus frühen Pflückungen (Frühjahr)

Tee ist nicht koffeinfrei. Je nach Sorte, Ernte, Verarbeitung und Zubereitung kannst du den Koffeingehalt gezielt beeinflussen – und Tee so trinken, wie es zu deinem Alltag passt: 

  • Setze auf reife Blätter, kurze Ziehzeit und niedrige Temperatur.
  • Gieße Tee mehrmals auf – das reduziert den Koffeingehalt ab dem 2. Aufguss deutlich.
  • Wähle entkoffeinierte Tees für den Abend.

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