Trinken wir bald alle nur noch lila Tee?

20.03.2021 16:45

Weißer Tee, Grüner Tee, Schwarztee und Oolong sind die Standards in Deiner Teetasse. Aber hast Du jemals von Purple Tea gehört? Die für diese Sorte verarbeiteten Teeblätter sind nicht grün, sondern lila. In verschiedenen Regionen wird seit einigen Jahren mit dieser speziellen Teevariante experimentiert. Wir erklären warum, was es damit auf sich hat und ob wir in Zukunft vielleicht nur noch Purple Tea trinken werden.

Um Purple Tea herzustellen, werden die lilafarbenen Blätter einer speziellen Teepflanze verarbeitet. Für die besondere Färbung der Blätter ist ein hoher Anthocyanin-Gehalt verantwortlich. Der natürliche Pflanzenstoff verleiht auch Früchten wie Blaubeeren, Trauben oder auch Rotkohl die Farbe. Im Herbst sorgt Anthocyanin ebenfalls für die rötlich-orangen Färbung des Laubs.

Umstrittener als die Ursache der besonderen Färbung ist dagegen der Ursprung des Tees selbst. Je nach Sichtweise lautet die Antwort entweder China, Kenia, Japan oder Indien.

Purple Bud – Die chinesische Variante des Purple Tea

Mitte der 1980er Jahre entdeckten chinesische Wissenschaftler in der Provinz Yunnan eine spezielle, wildwachsende Teepflanze mit purpurnen Teeblättern ("camellia taliensis"). Aus den Blättern dieser seltenen Art produzierten Teemeister einen außergewöhnlichen Pu Erh, den Jingmai Purple Bud. Die Sorte ist bei Tee-Liebhabern hochgeschätzt für seinen milden Geschmack. Zudem erinnert er tatsächlich auch an einen trockenen Rotwein.

Experimente in Kenia mit Purple Tea

Kenia forschte und experimentierte rund 25 Jahre an Purple Tea. 2011 wurde ein spezieller Tee-Kultivar vorgestellt, der den kryptischen Namen TRFK 306/1 trägt. Die Sorte bringt nach Angaben des kenianischen Teeforschungsinstituts einen drei- bis vierfachen Ertrag des herkömmlichen Schwarztees.

Ziel des Forschungs- und Züchtungsprojekts war es, eine widerstandsfähige Teepflanze zu finden. Mit ihr sollten die kenianischen Teebauern eine sichere Einkommensquelle erhalten und vor einem Überangebot günstiger Schwarzer Tees aus anderen Ländern geschützt werden. Auf dem Markt erzielt Purple Tee mindestens doppelt so hohe Preise, wie "normaler" Tee.

„Sunrouge“ – Die japanische Variante des Purple Tea

Bereits zwei Jahre vor dem kenianischen Purple Tea überraschte Japan 2009 mit einer Tee-Neuentwicklung. Aus Kreuzungen der normalen Teepflanze „camellia sinsensis“ und dem in China wildwachsenden Purple Tea Kultivar „camellia taliensis“ entstand die Sorte "Sunrouge". Im Geschmack ist dieser Tee jedoch eher unangenehm bitter. Er eignet sich nicht für den Teegenuss, sondern wurde von Wissenschaftlern als Wirkstoffquelle mit dem Ziel einer gesundheitsfördernden Wirkung gezüchtet.

Purple Tea aus Indien

Auch in Assam ist eine wildwachsende Variante der Teepflanze mit lila Blättern bekannt. Sie spielte bislang in der indischen Teeproduktion jedoch keine Rolle. Vielmehr übernahmen einige Teefarmer in Assam den kenianischen TRFK 306/1-Kultivar und experimentieren seit einigen Jahren ebenfalls mit dieser robusten, ertragreichen Sorte. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Pflanze auch in Assam Erfolg haben wird, denn die ursprünglichen Teepflanzen der kenianischen Züchtung stammten aus Assam.

Purple Tea – Der Tee der Zukunft?

Purple Tea wird wegen des hohen Gehalts an Anthocyanin als „gesünder“ als andere Teesorten angepriesen. Mittlerweile finden sich Stimmen, die den lila Tee, gemessen an seinen Inhaltsstoffen sogar wertvoller als Grünen Tee bezeichnen.

Während einige Studien tatsächlich die Vorteile des lila Tees preisen, ist man sich in der Wissenschaft noch lange nicht einig darüber, ob und wie viele der Inhaltsstoffe am Ende wirklich in der Tasse landen. Die Ergebnisse sind nicht auf den Menschen übertragbar, gleichwohl gab es bereits einige interessante Ergebnisse. Jedoch sind noch weitere Forschungen nötig und es lässt sich noch kein abschließendes Urteil über eine gesundheitsfördernde Wirkung fällen.

Auch das sich verändernde Weltklima könnte Purple Tea zum Tee der Zukunft machen. Die robuste und ertragreiche lila Teepflanze ist weit weniger empfindlich als die klassische Sorte. Vielleicht werden wir also zukünftig sehr viel häufiger den Purple Tea im Teeregal entdecken können. In jedem Fall handelt es sich um eine sehr spannende Teesorte, die am Beispiel des herrlichen Jingmai Purple Bud ihre absolute Berechtigung hat. Auch die kenianischen Sorten sind geschmacklich interessant und besitzen ein vollmundiges, süßliches, pflaumenartiges Aroma.

Dass wir in Zukunft nur noch Purple Tea trinken werden, glauben wir nicht. Aber eine spannende Ergänzung ist diese Sorte durchaus und erweitert die Welt des Tees um eine weitere Facette.

Fazit

Purple Tea wird aus einer speziellen Teepflanze hergestellt, deren Blätter lila sind. Die Färbung wird durch den natürlichen Pflanzenstoff Anthocyanin hervorgerufen, der auch in Blaubeeren, Rotkohl oder Trauben vorhanden ist.

  • China und Assam in Indien sind der Ursprung wildwachsender Purple Tea Pflanzen.
  • Kenia züchtete mit aus Assam stammenden Teepflanzen den Purple Tea Kultivar TRFK 306/1, der besonders ertragreich und widerstandsfähig ist.
  • Aus der Kreuzung der chinesischen wilden Purple Tea Variante und der normalen Teepflanze entstand der japanische Purple Tea "Sunrouge".
  • Teegärten in Assam übernahmen mittlerweile den kenianischen Kultivar und experimentieren mit dieser Sorte.
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