Weltreise für Teeliebhaber - Teil 2: Von Asien nach Europa

26.04.2021 10:51

Während in China und besonders in Japan sich beinahe alles um feine Grüne Tees dreht, sieht es in anderen Ländern ganz anders aus. Hier werden eher kräftige, weniger subtile Geschmacksrichtungen bevorzugt. Zum Beispiel in Indien, wo wir unsere Tee-Reise im zweiten Teil fortsetzen und uns mit den Teekulturen in Nepal, Tibet, Russland und England beschäftigen.

Indischer Masala Chai – kräftig und würzig

Ein starker, kräftiger Schwarztee in Verbindung mit heimischen Gewürzen wie Ingwer, Kardamom, Pfeffer, Zimt und einer guten Portion Zucker lässt das Nationalgetränk Masala Chai entstehen. In der authentischsten Zubereitungsmethode wird dabei auf Wasser verzichtet und die Teemischung mit Milch aufgekocht. Auf den Straßen Indiens ist Masala Chai allgegenwärtig und aus dem Alltag kaum wegzudenken. An jeder Ecke kann man Masala Chai trinken.

Obwohl die Teepflanze auch schon immer in Indien existierte, wurde ihr wahrer Wert erst vor knapp 200 Jahren entdeckt. Die moderne Teegeschichte Indiens begann 1848, als Robert Fortun im Auftrag der britischen Ostindien Kompanie mehr als 20.000 Teepflanzen ins Land brachte. Mit Beginn des großflächigen Teeanbaus in Indien wurde die bis zu dieser Zeit vorherrschende Dominanz Chinas bei der Teeproduktion gebrochen. In Europa wurde Tee für eine breitere Masse erschwinglich und verlor nach und nach seine elitäre Stellung als Getränk des Adels.

Tee in England

Mit dem neuen Zugang zum Tee entwickelte sich in England eine herausragende Teekultur. Das wärmende und anregende Getränk war allseits beliebt und vor allem wurde es von nun an beinahe rund um die Uhr getrunken. Engländer gelten daher heute als die absolute Tee-Trinker Nation.

Tee gehört in England zum AlltagTraditionell startet der Tag mit direkt nach dem Aufstehen mit dem "early morning tea". Früher wurde der Tee sogar noch im Bett gereicht.

Zum Frühstück folgt der eigentliche "english breakfast tea". Die schwarze englische Frühstücksteemischung besteht meist aus indischem Assam oder Ceylon-Tee aus Sri Lanka. Sie wird mit Milch und Zucker getrunken und passt auf diese Weise auch gut zum herzhaften, englischen Frühstück.

Es geht weiter mit dem "light tea". Als Nachmittagstee sind Earl Greys und Assam Tees besonders beliebt. Dazu gibt’s Scones, ein süßes, butterhaltiges Gebäckstückchen.

Höhepunkt des Tages ist der afternoon tea, low tea oder auch five o’clock tea genannt. Ob die Milch auf den Tee oder der Tee auf die Milch zu gießen ist, darüber streiten sich bis heute die Briten. Zu dieser tea time werden kleine Häppchen gereicht, zum Beispiel Sandwiches mit Gurke, Ei, Schinken und Lachs.

Noch vor dem Abendessen ist Zeit für den "high tea" – allerdings in der Regel nur zu besonderen Anlässen und wenn Gäste empfangen werden. Neben dem Tee werden kalte, herzhafte Speisen serviert, zum Beispiel Braten, Salate, Gemüse aber auch Kuchen und Früchte.

Bauarbeiter trinken in ihren Pausen gerne einen "builders tea", einen stark gebrühten Tee mit viel Milch und Zucker. Daneben kennt der Engländer noch viele weitere Gelegenheiten, um noch mehr Tee am Tag zu trinken. Vor, während und nach den Mahlzeiten ist Tee ein ebenfalls gern gesehener Begleiter.

 

Buttertee aus der Mongolei und Tibet

Ganz auf Mahlzeiten verzichten könnte man eigentlich beim Genuss der mongolischen und tibetischen Variante des Tees. Tee dient hier zur Zubereitung einer nahrhaften Suppe. Zur Zubereitung des tibetischen Buttertees "po cha" werden Teeblätter für bis zu einem halben Tag in Wasser aufgekocht. Anschließend wird der Tee in ein Butterfass mit gesalzener Yakbutter gegossen und durch Stampfen mit dieser vermengt.

Der kalorienreiche Buttertee wird in Tibet bereits zum Frühstück aus kleinen Schüsseln getrunken, aber tatsächlich auch zusätzlich als stärkender Begleiter zu allen anderen Mahlzeiten. Noch bevor die Schale ausgetrunken wurde, füllt der Gastgeber sie nach. So ist es nicht unüblich zehn oder mehr Schalen Buttertee am Tag zu trinken.

Ganz ähnlich: der mongolische Milchtee "Suutei Tsai". Er wird aus Grünem Tee, Wasser, Milch, Fett und Salz gekocht. Zusätzlich kann der Milchtee noch mit Getreide, zum Beispiel Hirse, angereichert werden. Das Ergebnis ist auch hier eher eine nahrhafte Suppe, die ein sehr guter, warmer Energielieferant in der kalten mongolischen Steppe ist.

 

Die russische Teekultur

Es lässt sich nicht genau datieren, wann der Tee Einzug in die russische Kultur fand. Bekannt ist, dass der mongolische Herrscher Altan Khan von Khalkha dem russischen Zaren Michail I. 1638 ein kostbares Teegeschenk machte. Von nun an begann ein reger Handel mit dem Produkt. Doch vor allem die geographische Lage Russlands sorgte dafür, dass Tee im Land bekannter wurde. Ab dem 18. Jahrhundert transportierten Tee-Karawanen die wertvollen Blätter, meist als gepresste Tee-Fladen, von China durch Russland in Richtung Europa. Aufgrund des aufwendigen Transports war dieser Karawanentee zu dieser Zeit ein absolutes Luxusprodukt und nur für Adelige erschwinglich.

Ivan Chai - Weidenröschen Tee aus RusslandAls günstigere Tee-Alternative entdeckte die ärmere Bevölkerung den Ivan Chai aus den Blättern des Weidenröschens. Der Aufguss war geschmacklich kaum von den teuren, chinesischen Sorten zu unterscheiden. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts sank der Preis des echten Tees kontinuierlich, so dass auch weniger wohlhabende Schichten sich das Getränk gelegentlich leisten konnten.

Tee aus dem Samowar – Die russische Art der Teezubereitung

Um den ganzen Tag über heißen Tee trinken zu können ist in Russland der Samowar fester Bestandteil der Teezubereitung. Dabei handelt es sich eigentlich um einen überdimensionierten Wasserkocher. Ursprünglich mit Kohle oder Petroleum beheizt, gibt es heute auch elektrisch betriebene Samoware. Auf dem Deckel des Samowars sitzt eine kleinere Teekanne (Tscheinik). In ihr wird eine sehr konzentrierte Schwarzteemischung zubereitet. Wer einen Tee trinken möchte, nimmt etwas von dem Teekonzentrat und verdünnt es ganz nach Belieben mit dem heißen Wasser aus dem Samowar. Russen lieben ihren Tee stark gesüßt oder rühren sogar eine Art Marmelade (Warenje) in den Tee. Dazu werden gerne kleine Snacks serviert. Beliebt sind süße Kuchen, Gebäck, Baranki aber auch herzhafte Häppchen wie Piroggen oder Blini.

Im letzten Teil unserer Weltreise werfen wir einen Blick auf Teekulturen in orientalischen Länder, Afrika, Südamerika und besuchen in Ostfriesland die wahren Weltmeister des Teekonsums.

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